Submission – mal so, mal so

Tja, da mein Herr einen sehr interessanten Blogartikel gepostet hat über Submission (und wenn ich etwas schlauer wäre und wüsste, wie ich das jetzt verlinke, täte ich das ganz bestimmt), bin ich etwas nachdenklich geworden und mir wurde klar, dass ich schon viel länger submissiv war oder bin, als ich so dachte. Bloß anders.

Sorry, Leute, aber ich muss tatsächlich bei meinen Eltern anfangen.

Meine Eltern waren Alt-68er. Also, sie waren keine Studenten und haben auch nicht ständig irgendwie Rabatz gemacht, aber die Ideale und Ideen der 68er waren schon auch ihre Ideale und Ideen. Die beiden waren Jahrgang 1941 bzw. 1946, also im genau richtigen Alter.

Als ich also 1969 geboren wurde, wurde mir eine entsprechende Erziehung zuteil (und meiner jüngeren Schwester natürlich auch.)

Mit mir wurde diskutiert, sehr viel diskutiert. Einfach ein Verbot aussprechen wäre, laut meinen Eltern, kontraproduktiv gewesen. Sie wollten, dass ich verstehe, warum was nicht erlaubt ist, wirklich verstehe. Also musste darüber lang und breit geredet werden. (Ich stehe übrigens heute noch darauf, wenn ich Dinge verstehe, aber mittlerweile ist mir klar, dass ich nicht alles verstehen kann und manche Dinge will ich auch gar nicht verstehen).

Ein weiterer wichtiger Punkt war: Der Einzelne zählt so gut wie nix, die Gemeinschaft zählt und ist am Wichtigsten. Dies bedeutete, dass einzelne Wünsche oder Interessen zurückgestellt werden mussten, wenn es dem Allgemeinwohl diente. Ich habe dennoch Klarinette gelernt und war aktiv im Sportverein, da haben meine Eltern mich sehr unterstützt (kaum vorstellbar, aber ich habe aktiv Handball gespielt und war gar nicht mal so schlecht, glaube ich). Aber dieses „nur die Gemeinschaft zählt“ hat mich mehr geprägt, als ich dachte.

Wenn es im Beruf um Dienstplanangelegenheiten ging, habe ich meine Wünsche oft verschoben oder gleich gestrichen, wenn es etwas hakelig wurde. Das Team war alles, der Dienstplan musste laufen, also zählten meine Bedürfnisse nicht wirklich.

In meiner Ehe ordnete ich mich fast komplett unter, ohne dass dies jemand von mir verlangt hätte. Mein Motto war: Hauptsache dem Mann und dem Kind geht’s gut. Alles andere zählte nicht. Ich perfektionierte dies im Laufe der Zeit so sehr, dass ich Wünsche und Bedürfnisse irgendwann komplett für mich behielt und alles dafür tat, dass es den beiden anderen gut ging. Und dies erreichte ich, wenn ich ihre Bedürfnisse als oberste Priorität sah. Denn, und diese Logik ist so falsch, dass ich mich heute davor grusele: Wenn es den beiden gut geht, geht es der Familie gut, geht es mir gut.

Das war zutiefst submissiv, aber erkannt habe ich das erst heute.

Mir ging es natürlich nicht gut, was ich aber über Jahre hinweg verdrängte. Irgendwann würde ich belohnt werden, in welcher Form auch immer. Aber die Belohnung kam natürlich nie.

2014 konnte ich mein Unglücklichsein nicht mehr verbergen, und mein damaliger Ehemann erkannte das. Wir haben viel miteinander geredet und er war ziemlich geplättet, als ich endlich zum Kern des Problems vordrang. Ihm war das gar nicht aufgefallen (und um das mal klar zu sagen: Ihm kann ich da überhaupt keinen Vorwurf draus machen.).

Wir haben versucht, unsere Ehe zu retten, erfolglos, aber wir haben es geschafft, beste Freunde zu werden und zu bleiben. Wir sind tatsächlich glücklich geschieden.

In meinen beiden Beziehungen oder Affären danach war es ganz ähnlich: Ich richtete mich in allem komplett nach meinen Lovern und hoffte immer auf irgendeine Art von Belohnung, die es natürlich auch nie gab.

Ich war also jahrelang sehr submissiv, ohne dass dies jemand von mir verlangt hätte, bzw. ohne dass dem eine (wirkliche) Dominanz gegenüber stand. Das konnte ja nix werden.

Und jetzt bin ich eine Sub in einer D/s-Beziehung. Wie kann das sein?

Meine Submission hat eine gleichklingende Dominanz gefunden und ich habe in kurzer Zeit ein großes Vertrauensverhältnis zu meinem Dom aufgebaut. Meine Submission ist erwünscht und gefordert, und ich gebe sie gerne. Sie ist ein Geschenk, dass jetzt tatsächlich Anerkennung findet und auch noch belohnt wird. Es ist im Einklang, und beide Beteiligten profitieren davon.

Meine jetzige Submission hat nichts mit den Geistern der Vergangenheit zu tun. Ich bin jetzt sehr bewusst submissiv, aber eben nicht ständig. Tatsächlich gibt es, zu meiner großen Überraschung, eine etwas dominante Uschi, die auch ihren Platz in meinem Leben hat. Und um Herrn Wowereit mal zu zitieren: Und das ist auch gut so.

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2 Kommentare zu „Submission – mal so, mal so

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