Uschi, die Schulversagerin

Ich bin eine Schulversagerin. Das hat mehrere Gründe.

Die Grundschule fand ich toll, ich war in fast allen Fächern ziemlich gut, außer Mathe. Ich habe große Schwierigkeiten mit rechnen, irgendwie denke ich, dass ich nur knapp an einer Dyskalkulie vorbei geschrammt bin. Mit Zahlen kann ich irgendwie nichts anfangen, ich finde Zahlen echt abgedreht. Merken kann ich mir Telefonnummern und so ziemlich gut, aber nur, wenn ich die Zahlen in einem gewissen Rhythmus im Kopf behalte. Wenn jemand seine Telefonnummer so sagt: Dreiundfünfzig, neunundreißig, sechszig bin ich verloren. Aber als 353 960 kann ich sie mir merken. Rechnen kann ich jedenfalls kaum. Erstaunlicherweise aber kam ich mit Mengenlehre richtig gut zurecht. Blöderweise kam das später nie wieder vor im Unterricht.

Im Sommer 1980 wechselte ich auf das Gymnasium. Ich kam in eine sehr demokratische Schule, die Schülersprecher wurden von uns Schülern gewählt, die Kandiaten haben richtig Wahlwerbung gemacht in einer Vollversammlung in der Aula. Es war toll.Wie erwartet hatte ich in Mathe so meine Schwierigkeiten, aber in den anderen Fächern kam ich gut mit.

Dann zogen wir im Oktober 1980 um und ich musste die Schule wechseln. Und ich habe die neue Schule gehasst! Wir waren immer noch im selben Landkreis, aber an der neuen Schule war alles anders. Von den Fächern (kein Politik, keine Physik), über die Bücher (in der neuen Schule arbeiteten wir, als letzter Jahrgang mit dem Buch „English for today“ aus den 60ern, da hießen Schwarze noch Negroes und so) bis hin zum Schülerparlament. Eine meiner ersten Fragen an Mitschüler war „Wer ist denn Euer Schülersprecher?“ Die Antwort war ernüchternd:“Weiß ich nicht.“ Es stellte sich heraus, dass nur die Klassensprecher an der Schülersprecherwahl teilgenommen hatten-

Ich gewöhnte mich nur schwer ein. Erschwerend kam hinzu, dass mein damaliger Mathelehrer ein Sadist war. Er hasste es, in der Unterstufe unterrichten zu müssen, das war eindeutig unter seiner Würde. Und dies ließ er uns spüren. Bei ihm war ich komplett demotiviert und er hat nie etwas unternommen, um uns die Mathematik tatsächlich näher zu bringen. Bei ihm schrieb ich meine erste 6. War nicht schön.

Schon bald wurde ich sehr faul. Ich hätte wesentlich besser sein können, aber ich sah es nicht ein, mehr für die Schule zu tun, als unbedingt notwendig war. Ich wusste genau, welche Leistungen ich bringen musste, um durchzukommen. Mehr interessierte mich nicht.

Ich bin ja nicht dumm, ich hätte gute Leistungen bringen können – aber ich wollte nicht. Ich sah nicht ein, wozu sehr gute Noten gut sein sollten. Nur für die Fächer, die mich wirklich interessierten, übte ich. Das waren aber nur wenige Fächer.

Man hätte meinen können, dass ich irgendwie dumm war. (Mein sadistischer Mathelehrer glaubte tatsächlich, dass ich und alle, die Probleme mit Mathe hatten, vermutlich Chretins waren). Aber dumm bin ich nicht, mein IQ wurde mal getestet und – nunja, ich liege deutlich über dem Durchschnitt. Daran lag es also nicht.

Aber dann kam das Jahr 1984, und zu meiner Faulheit gesellte sich eine fette Depression und eine gewisse Perspektivlosigkeit. Außerdem musste ich mich plötzlich um den Haushalt kümmern und lebte in ständiger Angst, dass meine Mutter bald sterben könnte. Tatsächlich sprang sie dem Tod mehrmals knapp von der Schippe und lebt heute noch. (in your face, Ihr Ärzte damals!)

In der 9. Klasse, in der ich damals war, gelang es mir erstmals nicht, meine 5 in Mathe auszugleichen, es kamen noch andere fünfen dazu, und damit blieb ich sitzen. Was mich noch depressiver machte. Ich hasste es, nicht mehr mit meinen Freundinnen in einer Klasse zu sein, ich hasste meine neuen Mitschüler, die jünger waren als ich.

Nur langsam lebte ich mich in der neuen Klasse ein. Aber ich schaffte es, mit meiner alten Methode, wieder durchzukommen. Ich war nicht gut (außer in Englisch, Deutsch und manchmal in Biologie), aber es reichte, um versetzt zu werden. Erst in die 10. Klasse, dann in die 11. Mit dieser Versetzung bekam ich auch meine Mittlere Reife. Ein oder zwei Lehrer bemerkten meine Taktik und fanden das nicht gut, aber es interessierte eigentlich niemanden, wie es mir ging und warum ich so war.

Meine persönlichen Probleme wurden indes immer größer. Und damit ging meine Motivation noch mehr flöten. Und ich hatte öfter das Gefühl, dass ich irgendwie gar nichts mehr verstehe von dem, was die Lehrer da vorne erzählten. Ich wusste auch gar nicht mehr, warum ich (eingermaßen) regelmäßig zur Schule ging. Wozu sollte das gut sein? Allein die Tatsache, dass mir keine Alternative einfiel, ließ mich weiter die Schule besuchen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die 11. Klasse musste ich auch wiederholen.  Und damit gehörte ich zu den drei ältesten Schülern unserer Schule.

Im zweiten Anlauf schaffte ich die Versetzung in die Jahrgangsstufe 12, aber nicht gut. Und als die Halbjahreszeugnisse im Lehrerkollegium besprochen wurden, bekam ich einen Anruf von meiner Vertrauenslehrerin (die sich, wie alle Lehrer damals, kein bißchen für die Schüler als Menschen interessierte.). In dem Telefonat sagte sie mir, dass meine Qualifikation für das Abi bereits vorbei sei und ich die 12 nicht wiederholen durfte, denn in der Oberstufe bleibt man nur einmal sitzen.

Damit war meine Schulkarriere vorbei. Meine Eltern waren ziemlich sauer, ich wusste nicht, was ich machen sollte.

29 Jahre später habe ich einen hochqualifizierten Beruf (und das schon lange), ich stehe mitten im Leben. Ich habe dafür etwas länger gebraucht und manchmal denke ich, es wäre vielleicht besser gewesen, früher die Schule zu verlassen. Aber letztendlich musste ich diesen Weg vermutlich gehen.

Was ich damit eigentlich sagen möchte: Manchmal macht man Umwege im Leben und kommt dennoch gut an.

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WOW 2018!

2018 – das war ein ziemlich aufregendes Jahr und ich habe viel erlebt.

Fangen wir mal damit an, dass ich ins neue Jahr als Single ging, wie schon die Jahre zuvor. Die Trennung von meinem Ex-Mann war da schon drei Jahre her, die Scheidung ein Jahr. Nach wie vor sind wir beste Freunde, wofür ich sehr sehr dankbar bin.

Im Februar oder März habe ich zum ersten Mal der Versuchung widerstanden und habe dem Drängen eines Mannes nicht nachgegeben, sondern wollte das Spiel nach meinen Regeln spielen. Und dazu gehört: Meine Wohnung ist tabu.

Tja, der Mann hat gezeigt, dass ich gut daran tat, denn er hat mich geblockt und verschwand somit ratzfatz aus meinem Leben. Er wäre es also nicht wert gewesen.

Im März lernte ich dann jemanden von Twitter persönlich kennen und es wurde daraus eine wunderbare Freundschaft, im März kam er nach Bremen (auch hier galt: Meine Wohnung ist tabu), im Sommer besuchte ich ihn eine Woche lang.  Danke für diese Freundschaft!!!

Und dann kam, nach einem Aufruf auf Twitter meinerseits nach einem Date, im Mai mein erstes Date mit dem @EmEmBDSM

Ich konnte nicht ahnen, dass dieses Date mein Leben nachhaltig verändern würde, aber genau das ist passiert. Long Story Short: Er hat mir die Welt des BDSM, die ich bisher nur rein theoretisch kannte, persönlich näher gebracht, und nach einer relativ kurzen Bedenkzeit war mir klar, dass ich seine Sub sein möchte. Und das bin ich nun schon seit dem Sommer. Zuerst erhielt ich ein Halsband von ihm, im Oktober folgte der Ring der O. Den Ring trage ich ständig, das Halsband nur zu gewissen Anlässen. Es ist nicht immer nur eitel Sonnenschein, ich habe manchmal Probleme, submissiv zu sein. Ich arbeite noch daran, bei ihm nur Lola zu sein und Uschi einfach in Bremen zu lassen. Und mittlerweile war ich im November auf meiner ersten Secret Night, meine allererste BDSM-Party überhaupt.

Gesundheitlich war 2018 für mich nach zwei eher blöden Jahren wieder ganz gut. Ich habe jetzt einen Diabetologen, der mal einen richtig gründlichen Check up gemacht und meine Medikation etwas geändert hat. Diese Änderung bewirkte, dass meine Zuckerwerte jetzt viel besser sind und ich außerdem seit März 10kg abgenommen habe. Mein Langzeitwert ist innerhalb von drei Monaten von 8,5 auf 6,8 gesunken, was echt sehr gut ist. Im Februar steht die nächste Kontrolle an.

Ich merke, dass ich mitten in den Wechseljahren bin, aber zum Glück sind die Symptome bis jetzt eher milde ausgeprägt. Ich habe vor allem Zyklusstörungen, was nervig ist, denn wenn ich schon menstruieren muss, würde ich das, so wie früher, gerne im Voraus wissen. In diesem Jahr waren meine Zyklen zwischen 17 und 57 Tagen lang (ein Hoch auf meine Zyklusapp, in welcher ich alles notiere). Es wäre großartig, wenn damit demnächst mal ganz Schluss sein könnte…

Ich habe insgesamt einige sehr interessante Menschen kennen gelernt, unter anderem den Lover, und darüber bin ich wirklich sehr froh. Wir wollen beide keine feste Beziehung, mögen aber einander sehr und haben viel Spaß miteinander.

Und dann ist da noch meine Freundschaft zu @Sumaschi214, meine Schwester-Sub, eine Freundschaft, die sich in kurzer Zeit sehr schnell und wunderbar entwickelt hat. Auch für diese Begegnung bin ich unglaublich dankbar. Danke!!!

Im November stellte sich heraus, dass ich leider wieder einen Bandscheibenvorfall habe. Der Neurochirurg sagt, dass dies ein operationswürdiger Befund ist, aber momentan geht es meinem Rücken relativ gut, und so lange das so ist, werde ich mich nicht operieren lassen. Aber es kann gut sein, dass dies im Jahr 2019 ansteht.

Und auch wenn der Winter für mich immer eine eher schwierige Jahreszeit ist, so muss ich sagen, dass 2018 auf jeden Fall ein positives Jahr war.

Für 2019 stehen jetzt schon spannende und schöne Dinge auf dem Plan, unter anderem Zeit mit meinem Dom und ich werde zum ersten Mal in meinem Leben einen „richtigen“ Urlaub machen, mit wegfliegen in den Süden. Mein Freund hat mich dazu eingeladen (und das finde ich so rührend und wunderbar!).  Auf all‘ diese Dinge freue ich mich wie Bolle.

Achja, und im November 2019 werde ich 50 Jahre alt. Was ich davon halten soll, weiß ich noch nicht so genau…

Ich bin nach wie vor Single, aber es ist gut so.

Und auch wenn ich pünktlich zum Jahreswechsel weinen werde (was mir immer passiert), ziehe ich für 2018 insgesamt eine positive Bilanz.

Submission – mal so, mal so

Tja, da mein Herr einen sehr interessanten Blogartikel gepostet hat über Submission (und wenn ich etwas schlauer wäre und wüsste, wie ich das jetzt verlinke, täte ich das ganz bestimmt), bin ich etwas nachdenklich geworden und mir wurde klar, dass ich schon viel länger submissiv war oder bin, als ich so dachte. Bloß anders.

Sorry, Leute, aber ich muss tatsächlich bei meinen Eltern anfangen.

Meine Eltern waren Alt-68er. Also, sie waren keine Studenten und haben auch nicht ständig irgendwie Rabatz gemacht, aber die Ideale und Ideen der 68er waren schon auch ihre Ideale und Ideen. Die beiden waren Jahrgang 1941 bzw. 1946, also im genau richtigen Alter.

Als ich also 1969 geboren wurde, wurde mir eine entsprechende Erziehung zuteil (und meiner jüngeren Schwester natürlich auch.)

Mit mir wurde diskutiert, sehr viel diskutiert. Einfach ein Verbot aussprechen wäre, laut meinen Eltern, kontraproduktiv gewesen. Sie wollten, dass ich verstehe, warum was nicht erlaubt ist, wirklich verstehe. Also musste darüber lang und breit geredet werden. (Ich stehe übrigens heute noch darauf, wenn ich Dinge verstehe, aber mittlerweile ist mir klar, dass ich nicht alles verstehen kann und manche Dinge will ich auch gar nicht verstehen).

Ein weiterer wichtiger Punkt war: Der Einzelne zählt so gut wie nix, die Gemeinschaft zählt und ist am Wichtigsten. Dies bedeutete, dass einzelne Wünsche oder Interessen zurückgestellt werden mussten, wenn es dem Allgemeinwohl diente. Ich habe dennoch Klarinette gelernt und war aktiv im Sportverein, da haben meine Eltern mich sehr unterstützt (kaum vorstellbar, aber ich habe aktiv Handball gespielt und war gar nicht mal so schlecht, glaube ich). Aber dieses „nur die Gemeinschaft zählt“ hat mich mehr geprägt, als ich dachte.

Wenn es im Beruf um Dienstplanangelegenheiten ging, habe ich meine Wünsche oft verschoben oder gleich gestrichen, wenn es etwas hakelig wurde. Das Team war alles, der Dienstplan musste laufen, also zählten meine Bedürfnisse nicht wirklich.

In meiner Ehe ordnete ich mich fast komplett unter, ohne dass dies jemand von mir verlangt hätte. Mein Motto war: Hauptsache dem Mann und dem Kind geht’s gut. Alles andere zählte nicht. Ich perfektionierte dies im Laufe der Zeit so sehr, dass ich Wünsche und Bedürfnisse irgendwann komplett für mich behielt und alles dafür tat, dass es den beiden anderen gut ging. Und dies erreichte ich, wenn ich ihre Bedürfnisse als oberste Priorität sah. Denn, und diese Logik ist so falsch, dass ich mich heute davor grusele: Wenn es den beiden gut geht, geht es der Familie gut, geht es mir gut.

Das war zutiefst submissiv, aber erkannt habe ich das erst heute.

Mir ging es natürlich nicht gut, was ich aber über Jahre hinweg verdrängte. Irgendwann würde ich belohnt werden, in welcher Form auch immer. Aber die Belohnung kam natürlich nie.

2014 konnte ich mein Unglücklichsein nicht mehr verbergen, und mein damaliger Ehemann erkannte das. Wir haben viel miteinander geredet und er war ziemlich geplättet, als ich endlich zum Kern des Problems vordrang. Ihm war das gar nicht aufgefallen (und um das mal klar zu sagen: Ihm kann ich da überhaupt keinen Vorwurf draus machen.).

Wir haben versucht, unsere Ehe zu retten, erfolglos, aber wir haben es geschafft, beste Freunde zu werden und zu bleiben. Wir sind tatsächlich glücklich geschieden.

In meinen beiden Beziehungen oder Affären danach war es ganz ähnlich: Ich richtete mich in allem komplett nach meinen Lovern und hoffte immer auf irgendeine Art von Belohnung, die es natürlich auch nie gab.

Ich war also jahrelang sehr submissiv, ohne dass dies jemand von mir verlangt hätte, bzw. ohne dass dem eine (wirkliche) Dominanz gegenüber stand. Das konnte ja nix werden.

Und jetzt bin ich eine Sub in einer D/s-Beziehung. Wie kann das sein?

Meine Submission hat eine gleichklingende Dominanz gefunden und ich habe in kurzer Zeit ein großes Vertrauensverhältnis zu meinem Dom aufgebaut. Meine Submission ist erwünscht und gefordert, und ich gebe sie gerne. Sie ist ein Geschenk, dass jetzt tatsächlich Anerkennung findet und auch noch belohnt wird. Es ist im Einklang, und beide Beteiligten profitieren davon.

Meine jetzige Submission hat nichts mit den Geistern der Vergangenheit zu tun. Ich bin jetzt sehr bewusst submissiv, aber eben nicht ständig. Tatsächlich gibt es, zu meiner großen Überraschung, eine etwas dominante Uschi, die auch ihren Platz in meinem Leben hat. Und um Herrn Wowereit mal zu zitieren: Und das ist auch gut so.

Liebe? Beziehung?

Im Song „Dein ist mein ganzes Herz“ setzt Heinz Rudolf Kunze sich kritisch mit dem Wort Beziehung auseinander, und auch wenn ich seine Gedanken zum Teil nachvollziehen kann, fällt mir einfach kein besseres Wort ein. Also benutze ich auch hier dieses Wort.

Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass ich in einer D/s-Beziehung bin. Es ist auch kein Geheimnis, dass mein Dom mehrere Subs hat. Er ist also polyamor.

Es gibt einen Unterschied zwischen polyamor und polygam. Nach meinem Verständnis bedeutet polygam, dass man mit mehreren Menschen Sex hat, aber keine wirklich nahe Beziehung zu diesen Menschen pflegt. Polyamor dagegen ist von Liebe geprägt.

Für viele Menschen, und auch für mich galt das lange Zeit, bedeutet Liebe, dass man mit EINEM Menschen zusammen ist, nur diesen Menschen liebt, am besten zusammen lebt. Andere sexuelle Beziehungen haben in einer monogamen Beziehung nichts zu suchen. Das ist völlig in Ordnung. Wie gesagt, so lebte ich auch lange Zeit. Ich hätte es damals nicht anders haben wollen.

Eine Zeitlang habe ich es mit Polygamie probiert, ich war noch mit meinem Mann zusammen und hatte einen Lover. Aber der Rahmen stimmte einfach nicht, und ich habe mich schließlich von meinem Mann getrennt, was jedoch nichts mit meinem Lover zu tun hatte und auch nichts mit der Polygamie an sich.

Was folgte waren zwei „Beziehungen“, in denen ich jeweils die Zweitfrau war, die geheime Zweitfrau. Das war nicht schön, aus so vielen Gründen. Mit am meisten genervt hat mich das versteckt werden. Ich war ein kleines, schmutziges Geheimnis, welches auf keinen Fall ans Tageslicht durfte.

Dann lernte ich meinen Dom kennen. Ich wusste vorher, sollten wir eine Beziehung eingehen, wäre ich eine von mehreren. Aber, und das fand ich sehr gut, ich wäre nicht geheim. Alles ist transparent, jede weiß Bescheid.

Ja, darf ich dann überhaupt von Beziehung sprechen? Ich finde, ich darf. Wir sind nicht nur zwei Menschen, die Sex miteinander haben. Ich kann es nicht wirklich gut beschreiben, aber uns verbindet mehr als der Sex.

Er hat eine feste Beziehung, was mich nicht stört. Im Gegenteil. Dass, was man im Allgemeinen unter einer festen Beziehung versteht, will ich nämlich gar nicht haben. Und ich will schon mal gar nicht mit jemandem zusammen leben. Jedenfalls jetzt nicht. Irgendwann – vielleicht.

Unsere Beziehung, die wir pflegen, ist aber nun eine D/s-Beziehung, und das ist schon etwas Besonderes. Wir praktizieren BDSM. Und das geht nur, wenn man einander sehr sehr vertraut. Nahezu blind vertraut.

Dieses Vertrauen muss man sich verdienen, das kommt nicht einfach so. Und ich denke, dieses Vertrauen bedingt auch Liebe. Eine Liebe, die nicht allumfassend ist, die nicht verlangt, dass man ständig zusammen ist, die nicht andere Menschen ausschließt.

Meine Liebe zu meinem Dom ist etwas ganz Anderes als die Lieben, die ich bisher erlebt habe. Sie waren zum Teil von Verlustängsten geprägt, von Auschließlichkeit, sie bestimmten mein komplettes Leben. Diese Art Liebe war alles in meinem Leben.

Die Liebe zu meinem Dom ist anders. Sie ist vor allem geprägt von Vertrauen, sehr viel Zuneigung und Begegnungen auf Augenhöhe. Keiner von uns ist schwach, wir sind gleichberechtigte Partner. Wie sagt mein Dom so schön: Klingonisch, ist aber so. Denn nur so funktioniert BDSM, jedenfalls in meiner Welt. Und in seiner auch.

Hätte es mich früher schlichtweg wahnsinnig gemacht, zu wissen, dass mein Mann gerade mit einer anderen Frau sexuell verkehrt (eigentlich auch ein blödes Wort), bzw. mehrere Frauen hat, mit denen er Sex hat, so juckt es mich jetzt nicht besonders.

Warum das so ist, kann ich eigentlich selber nicht so genau erklären. Ich denke, es sind mehrere Faktoren, die da eine Rolle spielen. Es ist die Art von Liebe, die ich für diesen Mann empfinde (siehe oben). Es ist die Tatsache, dass niemand von uns irgendwas verstecken muss. Wir alle wissen voneinander, wir wissen, wann er mit wem zusammen ist. Ich bin überhaupt nicht eifersüchtig, weil niemand mir irgendwas weg nimmt. Klar denke ich manchmal „Jetzt wäre ich aber gerne mit ihm zusammen“, natürlich gibt es diesen Gedanken. Aber der richtet sich nicht gegen die jeweils andere Sub. Oder gegen ihn. Dann weiß ich noch, dass jede Sub ein anderes Kopfkino bei ihm „bedient“, unsere Beziehungen sind also alle unterschiedlich und einzigartig.

Und schließlich: Ich habe die Freiheit, mit Männern Sex zu haben, wie es mir gefällt. Es gibt nur eine Einschränkung: BDSM lebe ich nur mit meinem Dom. Was für mich selbstverständlich ist. Ich will das auch mit niemandem sonst leben. Denn dafür braucht es sehr viel Vetrauen, und das kann und will ich zu keinem anderen Mann aufbauen. Also ist das für mich keine Einschränkung.

Also, darf ich in diesem Zusammenhang von Beziehung und Liebe reden? Ja, absolut. Es ist eine besondere Beziehung und eine besondere Liebe, aber sie existieren beide. Punkt.

 

Subspace

Wer mich einigermaßen kennt, könnte meinen, dass ich jetzt einen Blogbeitrag zum Subspace im Sinne von Star Trek schreibe, also sowas wie Subspace Kommunikation. Aber dafür kenne ich mich mit dem Thema nicht gut genug aus, ich bin nicht so gut in Techno-Babble.

Hier geht es um etwas völlig anderes. Hier geht es um den Subspace im BDSM-Sinn.

Ich beschäftige mich mit BDSM schon seit mehr als 20 Jahren, allerdings auf einer rein theoretischen Ebene. Ich habe viel gelesen zu dem Thema, verschiedene Blogs (vor allem zwei amerikanische Blogs, die aber beide nicht mehr existieren), und auch Bücher. Ein Wort fiel mir dabei sehr oft auf: Subspace. Man sagt auch: Die Sub fliegt.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann bedeutet das, dass eine Sub (sorry, da ich nunmal eine Sub bin, beziehe ich mich hier, allein schon aufgrund der besseren Lesbarkeit des Textes und der einfacheren Tippbarkeit, auf die weiblichen Subs.) in einer Session „fliegt“, sich im „Subspace“ befindet und sich somit in einem anderen „Raum“ oder einer anderen „Dimension“. Aber was das wirklich bedeutet, konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Mir blieb dieser Subspace, dieses fliegen, völlig rätselhaft.

Seit kurzem bin ich nun eine Sub, ich bin eine totale Anfängerin (theoretisches Wissen zählt hier nicht).

Vor einigen Wochen war ich bei meinem Dom, und mal abgesehen davon, dass es ein wirklich schönes Wochenende war, habe ich, glaube ich jedenfalls, selbst dem Subspace einen Besuch abgestattet.

Ich denke übrigens seit Wochen darüber nach, wie ich diesen Blogbeitrag schreiben soll. Wochen! Und ich befürchte, dass ich immer noch nicht die wirklich richtigen Worte gefunden habe…

Wisst Ihr, zum BDSM gehört sehr sehr sehr sehr viel Kommunikation. Der Dom muss wissen, wie die Sub tickt, und vice versa. Und Vertrauen gehört dazu. Sehr viel Vertrauen, auf beiden Seiten. Ich kann gar nicht betonen, wie unglaublich wichtig beides ist.

So kommt es, dass ich meinem Dom nahezu grenzenlos vertraue. Und nur so funktioniert das Ganze überhaupt. So kommt es, dass ich vor verschiedenen Herausforderungen eine Menge Respekt habe, aber keine Angst. Denn ich weiß, es kann mir nichts Schlimmes passieren. Mein Dom passt auf mich auf, er hat im Blick, ob es mir gut geht oder nicht. Und ich habe natürlich ein Safeword.

Mein Dom hat mir übrigens erklärt, dass es kein Versagen meinerseits ist, sollte ich das Safeword benutzen. Nein, es ist das Zeichen meinerseits, dass ich an diesem Punkt einfach nicht weiter gehen kann. Das hat nichts mit Versagen zu tun.

Ich glaube, die Situation, zu der es am Sonntagmorgen kam, war nicht geplant, es passierte einfach so, vermutlich aus einer Intuition heraus. Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber er tat mir weh.

Ich war zunächst überrascht, ließ es geschehen. Der Schmerz wurde stärker. Wir sahen uns in die Augen. Das war sehr wichtig. Leider kann ich es nicht besser beschreiben, aber der Blickkontakt war zumindest für mich sehr wichtig. Ich sah in seinem Blick die Lust, mir genau jetzt weh zu tun, seine eigene Lust daran, aber auch die Tatsache, dass er alles unter Kontrolle hatte.

Und dann, innnerhalb recht kurzer Zeit, passierte etwas für mich Unerwartetes. Der Schmerz wurde stärker, aber ich wollte plötzlich mehr. In mir herrschte plötzlich ein unglaublicher Aufruhr. Ich wurde unendlich geil, wurde zu Wachs in seinen Händen, den er mühelos komplett zum Schmelzen hätte bringen können. Er hätte nahezu alles mit mir machen können. Ich war noch da, aber gleichzeitig weit weg.

Der Schmerz wurde Mittel zum Zweck, und ich wollte mehr. Mehr! MEHR!!!

Ich flog. Und wie ich flog!

Er ließ von mir ab, beobachtete mich genau, grinste.

Ich zitterte am ganzen Körper, war geil, musste immer wieder tief Luft holen. Saß schließlich zitternd am Tisch, musste mich am Tisch festhalten. Ich hatte das Gefühl, ohne mich festzuhalten, wäre ich vom Stuhl gerutscht. Er sah mich einfach nur an, und ich fragte ihn:“Was denkst Du jetzt?“ Er antwortete:“Ich sehe in ein absolut glückliches Gesicht.“

Es dauerte gefühlt sehr lange, bis ich wieder „normal“ war. Ich war ziemlich verwirrt, hatte so etwas noch nie gefühlt. Allein dies beschäftigte mich eine ganze Weile. Soetwas hatte ich noch nie gefühlt und erlebt.

Als ich meine Sinne wieder halbwegs beisammen hatte, sagte ich ihm, dass er alles mit mir hätte machen können. Er antwortete“Ja, aber ist es nicht schön, dass ich genau das nicht getan habe?“ Damit hatte er absolut recht, auch wenn ich das im entscheidenden Augenblick völlig anders sah.

Aber eben das macht ihn als Dom gerade für eine Anfängerin auch aus: Eben nicht so weit gehen wie es in dem Moment vielleicht möglich gewesen wäre, sondern darauf zu achten, dass mir kein Schaden zugefügt wird. Ich hätte das in dieser Situation nämlich überhaupt nicht gemerkt und dadurch hätte ich mir Schaden zufügen können.

Spätestens da war mir klar, dass ich mir den richtigen Dom für mich ausgesucht habe.

Also, war ich nun im Subspace? Bin ich geflogen?

Ich sage: Ja, absolut. Und ich will es wieder erleben!

 

Vom Alleinsein und der Einsamkeit

Seit mittlerweile über drei Jahren lebe ich alleine. Einen großen Freundeskreis habe ich auch nicht, und so bin ich eben oft alleine.

Ich genieße das Alleinsein meistens. In meinem Beruf habe ich so viel mit Menschen zu tun, dass es mir gut tut, wenn ich alleine bin und mich nicht um andere Menschen kümmern muss. Klar wäre es nicht schlecht, wenn sich ausnahmesweise mal jemand um mich kümmern würde, aber es ist halt wie es ist.

Ich kann auch nicht alleine ausgehen, ich fühle mich dann unwohl. Einfach alleine auf eine Party gehen kann ich einfach nicht. Mal abgesehen davon, dass solche Aktivitäten meistens Geld kosten, und Geld ist in diesem Haushalt schlichtweg Mangelware. Selbst auf dem Betriebsfest letztes Jahr fühlte ich mich nur wohl, wenn meine Kolleginnen bei mir waren…

Manchmal rede ich mehrere Tage mit niemandem.

Einsamkeit ist ein völlig anderes Gefühl, und das ist ziemlich blöd.

Einsam fühle ich mich vor allem im Winter. Da habe ich Geburtstag, es ist Weihnachten, es ist die dunkle Jahreszeit. Dann bin ich nicht gerne alleine.

Meinen Geburtstag feiere ich schon seit vielen Jahren nicht mehr, aber trotzdem möchte ich dann eigentlich nicht alleine sein. Seit Jahren aber bin ich genau das.

In der Zeit mit meinen Ex-Lovern hatte ich immer gehofft, dass ich meinen Geburtstag mit ihnen verbringen könnte, aber leider war das nicht so. In beiden „Beziehungen“ war ich nur die Zweitfrau und Zeit genommen haben sich beide Männer nur, wenn es ihnen gerade in den Kram passte. Meinen Geburtstag mit mir zu verbringen, mir sogar an diesem Tag eine Freude zu machen, zählte eindeutig nicht zu ihren Prioritäten. Auch in diesem Jahr werde ich aller Voraussicht nach an meinem Geburtstag allein sein. Ich sollte mich langsam daran gewöhnen.

An Weihnachten ist es so, dass ich den Heiligabend zum Teil mit dem Ex-Mann und Junior verbringe. Und an einem der Feiertage gehen wir manchmal ins Kino, wenn denn gerade ein neuer Star Wars Film läuft; das ist mein Weihnachtsgeschenk für die beiden.

Aber auch das ändert nichts daran, dass ich ansonsten einsam bin. Es ist dunkel, es ist kalt und ich stelle mir vor, wie andere Menschen mit einem Partner oder ihrem Lover zusammen sind und die gemeinsame Zeit genießen.Das ist eine Zeit, in der ich versuche, möglichst viel zu schlafen, damit die Zeit schneller vorbei geht.

Wirklich besser wird es eigentlich erst, wenn es draußen wieder heller wird, wenn die Sonne wieder mehr scheint. Was nicht bedeutet, dass ich viel Zeit in der Sonne verbringe, aber das ist schon wieder ein anderes Thema…

Alles ändert sich – immer wieder

Ich hatte früher ja sehr klare Vorstellungen davon, wie mein Partner zu sein hätte: Wesentlich größer als ich, älter als ich, jemand mit Humor und Intelligenz, nach Möglichkeit mit dunklen Haaren und aus einem sozialen Beruf stammend.

Der letzte Punkt fiel als erstes von meiner Liste.

Alle anderen nach und nach (bis auf Humor und Intelligenz).

Je älter ich wurde, umso mehr habe ich festgestellt, dass Äußerlichkeiten und Wunschlisten ja ganz nett sind, aber einen Mann halt nicht ausmachen. Das berühmte Gesamtpaket ist es, welches mir den Kick gibt.

Ex-Lover Nr. 1 und 2 waren rein äußerlich gesehen kaum kompatibel mit meinen Vorstellungen, und doch habe ich beide geliebt. Weil alles zusammen mehr als stimmig war.

Ein Mann kann noch so gut aussehen, wenn derjenige nicht küssen kann, oder strunzdumm ist, oder im Bett nicht mit mir kompatibel ist, dann läuft es nicht. Ganz einfach, oder?

Heute weiß ich: Wenn ich mit einem Mann kuschelnderweise im Bett liegen kann und mich dabei sehr wohl und geborgen fühle, dann ist das unheimlich viel wert.

Ich dachte früher auch, ich weiß sehr genau, was mir beim Sex gefällt und was nicht und war der Meinung, dass dies so auf immer und ewig bleibt.

Ich weiß, das war sehr naiv.

Mittlerweile weiß ich, dass ich mit jedem neuen Mann Dinge kennen lerne, die mir mächtig Spaß machen und die früher ein No-Go waren.

Und jetzt gerade bin ich in einer Phase, in der ich noch etwas weiter über den Tellerrand schaue und Dinge sehe, von denen ich denke: Das könnte ja etwas für mich sein. Müsste ich mal ausprobieren.

Vorsichtig begebe ich mich also auf die Reise und schaue, wohin sie mich führt….